Am Morgen war Josef Winkler zu Gast am Gymnasium in Neustadt/ Wied, wo er in einer Informationsveranstaltung für Oberstufenschülerinnen und -schülern über seine bisherige Arbeit als Abgeordneter und die Ziele für die anstehende Bundestagswahl berichtete.
Nach einer kurzen Vorstellung und Erläuterung seines beruflichen Werdegangs und seiner kommunal- und bundespolitischen Karriere, stand Winkler den fragenden Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Besonders interessiert zeigten sich die Teilnehmer an originär „Grünen Themen“ und fragten u.a. wie sich die Partei die hundertprozentige Energieversorgung durch Erneuerbare Energien vorstelle. Winkler erläuterte, dass man diesbezüglich heute schon größere Fortschritte gemacht habe als man bei der Verabschiedung des Erneuerbare Energien Gesetzes erwartet hätte und man das Ziel, 2050 komplett auf Erneuerbare Energien zurückgreifen zu können, durchaus verwirklichen könne.
Außenpolitisch wurde vor allem über das Thema Afghanistan-Einsatz diskutiert. Hier verdeutlichte Winkler, dass er nicht für einen sofortigen Abzug der Bundeswehr sei, sondern – wie viele Parteikollegen – auf eine Anpassung der Militärstrategie setze. Falsch sei es, durch einen Abzug, den Taliban wieder die Kontrolle in Afghanistan zu überlassen und so die Zivilbevölkerung zu gefährden. Vielmehr müsse man das Nebeneinander der zwei Militäreinsätze (ISAF und „Operation Enduring Freedom“) beenden und den zivilgesellschaftlichen Um- und Aufbau vorantreiben (etwa durch Verbesserung des Bildungssystems und Stärkung der örtlichen Sicherheitskräfte).
Auch die Bildungspolitik wurde von den Schülerinnen und Schülern angesprochen, hier wollte ein Teilnehmer wissen, wie sich die Grünen die Schule der Zukunft vorstellen. Winkler erläuterte, dass er und seine Partei sich dafür einsetzen würden, dass Kinder und Jugendliche in Zukunft für eine längere Zeit gemeinsam zur Schule gingen und dass man dafür plädiere erst nach der 9. Klasse zu trennen. Die hohe Selektivität des deutschen Schulsystems, bei dem schon nach der 4. Klasse eine Entscheidung für den weiteren Werdegang eines Schülers getroffen werde, wolle man beenden. Auch könne es nicht sein, dass das deutsche Abitur immer noch einer Art Eintrittskarte in einen „Elitezirkel“ gleich käme. Um wieder mehr Einfluss auf die (in der Hoheit der Bundesländer befindliche) Bildungspolitik zu erlangen, werde sich seine Fraktion im Bundestag dafür einsetzen, dass so genannte „Kooperationsverbot“ zwischen Bund und Ländern in diesem Bereich wieder zu kippen.
Nach einer intensiven und breiten Diskussion mit den Teilnehmern machte Winkler klar, dass es für die Grünen bei dieser Wahl auch darum gehe, wieder die drittstärkste Kraft (wie 1998 und 2002) im Bundestag zu werden, da dies die Möglichkeiten erheblich verbessere, seine Positionen im Parlament zu vertreten und Politik zu gestalten.
Mittags ging es für ihn weiter nach Mendig, wo er gemeinsam mit Grünen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern (u.a. Joachim Heuft (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat Mendig) und Nicole Müller-Orth (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Verbandsgemeinderat)) das Alten- und Pflegeheim „Marienstift“ besuchte. Nach der Begrüßung durch Frau Reiff (Heim- und Pflegedienstleiterin), ließ man sich während eines Rundgangs durch die erst kürzlich neugebaute Anlage über die Arbeit des Heims informieren. So erläuterte Frau Reiff, dass man derzeit 85 Bewohnerinnen und Bewohner betreue, die auf drei Etagen lebten, womit die Kapazität von 90 Plätzen nahezu ausgeschöpft sei.
Bei der Besichtigung der verschiedenen Räumlichkeiten und der Außenanlagen der Institution, erkundigte sich Winkler nach der Unterbringung der Bewohner und den Arbeitszeiten der Bediensteten. Hier merkte Frau Reiff an, dass vor allem der Umzug in das neue Gebäude sowohl für die Bewohner, als auch die Mitarbeiter stressig gewesen sei. Allerdings habe man sich mittlerweile gut eingelebt. Bevor man den Rundgang beendete, besuchten Winkler und die Mendiger Grünen eine langjährige Bewohnerin des Heims und unterhielten sich mit ihr über verschiedene Themen.
Nachmittags besuchte die Grüne Delegation den Fachhandel für ökologische Baustoffe "BauTrend Natur - Ostermann". Vom Geschäftsführer, Herrn Ostermann wurde man durch die Verkaufsräume des kleinen Betriebs – der ursprünglich als Hobby im Garten des Geschäftsführers begann und nach und nach wuchs – geführt. Spezialisiert habe man sich auf den Verkauf ökologischer Baustoffe (z.B. Lehm oder Zellulose-Dämmstoffe) und die Beratung von Bauherrn und Architekten. Gerade im Bereich neuartiger Dämmstoffe äußerte der Geschäftsführer die Bitte, dass die Politik deren Einsatz vermehrt fördere. Hier versprach Winkler sich, im Falle seiner Wiederwahl, im Bundestag für die Auflegung eines neuen Förderprogramms (das es in ähnlicher Weise schon einmal während Renate Künasts Amtszeit als Verbraucherschutzministerin gab) einzusetzen.
Erstmalig habe man dieses Jahr auch mit dem Verkauf von Holzpellets begonnen, wobei sich Herr Ostermann über die rapide Preissteigerung bei diesem Brennmaterial von teilweise 75% besorgt äußerte. Bei dem Rundgang durch die Verkaufsräume konnte man sich anschließend selbst ein Bild von den verschiedenen Produkten machen.
Zum Abschluss des Besuchs fuhr man gemeinsam in den benachbarten Ort Bell. Hier erwarb Herr Ostermann vor einiger Zeit ein sanierungsbedürftiges Haus und begann es gemeinsam mit Jugendlichen aus der Umgebung nach neuesten ökologischen Erkenntnissen auszubauen. So werden etwa in der Dachdämmung Zellulose-Dämmstoffe verwandt und das Gebäude verfügt nun über eine Pelletheizung. Doch neben dem ökologischen Aspekt sieht der Geschäftsführer das Haus als soziales Projekt, denn er möchte Jugendlichen – etwa im Rahmen eines Ökologischen Sozialen Jahres (ÖSJ) – die Chance bieten, sich auf diese Weise im Umweltbereich zu engagieren und das Zusammenleben mit anderen Jugendlichen zu proben. Hier sicherten ihm die Grünen Kommunalpolitiker zu, sich in den entsprechenden Gremien für dieses und folgende Projekte (auch hinsichtlich kommunaler Fördergelder) einzusetzen.
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