JOSEF WINKLER, MdB

Startseite  | der Abgeordnete | Flüchtlingspolitik
Sonntag, 16. Juni 2019

29.05.2007: 

"Fremd zu sein bedarf es wenig"

Podiumsdiskussion: Die Rolle der Medien bei der Integration

Welche Bilder von MigrantInnen vermitteln uns die Medien? Wie "integrativ" wirken diese Bilder, wo fördern sie Klischees? Und wo und wie genau können Medien besser zur Integration beitragen? Diese Fragen standen im Vordergrund der Podiumsdiskussion "Fremd zu sein bedarf es wenig", die von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen veranstaltet wurde. Im Museum Neukölln stellten sich VertreterInnen aus Politik und Medien den oben genannten Leitfragen.

"Das Thema ist nicht neu" - betonte Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen in ihrem Eingangsstatement. Die Perspektiven und Blickwinkel müssten allerdings ausgeweitet werden und es dürfe nicht nur oberflächliche Scheinaktionen geben. Ein Integrationsbeauftragter in den Sendern allein kann nur wenig bewirken. Stattdessen brauche es umfassende kleinteilige Debatten und Prozesse.

Podiumsdiskussion über die Rolle der Medien bei der Integration

Wie sensibel das Thema "Medien und Migrantenbilder" ist, belegte schon die erste Podiumsrunde. Nach einer Einspielung von Szenen des Films "Wut", der bei seiner Erstaustrahlung für viel Wirbel sorgte, flammte die erste Debatte auf. Auf die Frage, ob die fiktive Figur Can auch in der Realität existiere, wies der Regisseur des Dramas Züli Aladağ darauf hin, dass der Protagonist auch ein deutscher Junge ohne Migrationshintergrund hätte sein können, dass er aber auf soziale Misstände und das Versagen der Toleranz hinweisen wollte.

Dass Filme Diskussionen öffnen und Sonden in die Gesellschaft legen müssen, vertrat Michael Mangold vom Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe. Gerade Serien und Unterhaltungsformate böten die Chance, die gesellschaftliche Realität abzubilden und ein besseres Kulturverständnis zu schaffen. Das Alltagsmedium Fernsehen könne diesbezüglich ernorm viel leisten. Hierfür bräuchte es aber mehr Motivation, z.B. durch eine spezifische Filmförderung, deutsch-ausländische Serienproduktionen oder einer Kooperation zwischen Milieukennern und Produzenten. Außerdem verwies Dr. Gualtiero Zambonini, Integrationsbeauftrager des WDR, auf eine verstärkte Ausbildung und Einstellung von interkulturellen Journalistinnen und Journalisten sowie auf ein stärkeres Augenmerk auf interkulturelle Kompetenz.

Wie der Journalismus mit dem Thema Integration umgeht, schilderten exemplarisch Martin Bewerunge, Chef vom Dienst bei der Rheinischen Post, sowie Süleyman Bağ, Redaktionsleiter Berlin der türkischen Zeitung Zaman. In Anspielung auf die alte Journalistenweisheit "Only bad news are good news" erläuterte Martin Bewerunge, dass sich bei den Printmedien einiges gebessert habe und durchaus positiv über Integration berichtet werde. Süleyman Bag hingegen betonte, dass "Ethnomedien" ganz anders mit dem Thema Integration und Migrantenbilder umgingen und schilderte dies an der Berichterstattung über die Rütli-Schule. Um hier mehr Sensibilität und Verantwortung zu erreichen, plädierten einige der ReferentInnen erneut für eine verbesserte journalistische Ausbildung. Süleymann Bağ und Josef Winkler, migrationspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, machten außerdem deutlich, dass auch etwas dafür getan werden muss, damit überhaupt über integrationsrelevante Themen berichtet wird, beispielsweise schwiegen die Medien weitgehend zu den Themen Zuwanderungsgesetz und Bleiberecht.

Die Anmerkungen aus dem Publikum bestätigten die eingangs ausgesprochene Vermutung, dass das Thema noch ganz am Anfang stehe. Wenn in Kinderprogrammen der Dieb stets eine andere Hautfarbe besitze, mache das doch stutzig. "Es gibt also viel zu tun" - konstatierte Grietje Bettin in ihrem Fazit. Vor allem dürfe dieses Gespräch keine Eintagsfliege sein, sondern es müssten zahlreiche Gespräche und Dialoge folgen. Außerdem müsse man die vorgeschlagenen Maßnahmen und Instrumente eingehender erörtern sowie nach weiteren kreativen Lösungen suchen.

« zurück