Am 9. Dezember 2008 fand im rheinland-pfälzischen Kandel der Abschluss der Veranstaltungsreihe „Jugendkultur und Rechtsextremismus“ statt. Veranstalter waren diesmal Monika Lazar und Josef Winkler mit Unterstützung des Archivs der Jugendkulturen.
Bereits am frühen Morgen fand an der Integrierten Gesamtschule Kandel ein Projekttag mit der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar sowie etwa 70 SchülerInnen statt. Diese verteilten sich auf vier Workshops, die alle einen gemeinsamen politischen Bildungsteil beinhalteten. Danach schloss sich ein Praxisteil zu den Themengebieten Streetdance/Breakdance, Graffiti, Skateboarding sowie „the dark side of rock’n’roll“ (Gothic, Metal, Hardcore u.a.) an.
Die acht TeamerInnen vom Archiv der Jugendkulturen zeigten sich im Anschluss begeistert. Die Erfahrungen, die sie mit den Jugendlichen aus Kandel gemacht haben, unterscheiden sich sehr von denen, die sie während der anderen gemeinsamen Tourstationen sammelten. Die SchülerInnen strahlten ein Klima der Toleranz und des gegenseitigen Respekts aus. Bands wie Landser hört keiner der Jugendlichen, homophobe oder rassistische Vorurteile sind kaum vorhanden. Dies ist, so die Erfahrungen der WorkshopleiterInnen, leider keine Selbstverständlichkeit.
Am Nachmittag fand ein Runder Tisch gegen Rechtsextremismus statt. Monika Lazar und Josef Winkler hatten VertreterInnen der Stadtverwaltung, Vereine, Bildungseinrichtungen und interessierte BürgerInnen eingeladen, gemeinsam mit ihnen über Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz zu diskutieren.
Viele namhafte Akteure folgten der Einladung. So nahm der Bürgermeister der Stadt Kandel, Günter Tielebörger, Dr. Jürgen Winkler von der Universität Mainz, Andreas Müller vom Ministerium des Innern und für Sport, Mirko Leingang vom Beratungsknoten Südpfalz, Jürgen Burg, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Kandel sowie andere an der Veranstaltung teil. Zuerst berichteten die Teamer des Archivs der Jugendkulturen ihre durchweg positiven Erfahrungen von der Arbeit mit den Jugendlichen. Ihnen wurde eine hohe Einsatzbereitschaft, Aufgeschlossenheit und Toleranz attestiert.
Da dies leider nicht der Regelfall in Deutschland ist, schloss sich die Frage an, warum in Kandel ein solches demokratisches Klima herrscht und woanders nicht. Hierzu wurden mehrere Thesen diskutiert. Die Mehrheit der Jugendlichen ist zufrieden mit ihrem Leben in Kandel, es gibt zahlreiche Jugendangebote. Jährlich finden an den Schulen Informationsveranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus, insbesondere zu Musik und Szene-Kleidung, statt. Kandel ist gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen, größere Städte wie Karlsruhe oder Landau sind gut zu erreichen. Jugendliche werden in demokratische Prozesse eingebunden, so konnten sie beim Bau einer Skateboard-Anlage über die Gestaltung mitentscheiden. All das sind Aspekte, die Demokratie fördern und es Rechtsextremisten bei ihren Agitationsversuchen schwermachen.
Am Abend wurde im benachbarten Landau der Film "Leroy" im Universum Kinocenter gezeigt: Der Film beschreibt auf humorvolle Weise, wie vielschichtig Diskriminierung sein kann. Er erzählt die Geschichte der ersten großen Liebe zwischen einem schwarzen deutschen Teenager und einem Mädchen, dessen Familie rechtsextrem ist.
Nach dem Film schloss sich eine Diskussion mit Monika Lazar und Josef Winkler und den ZuschauerInnen an.
„Der Aktionstag in Kandel war ein schöner Abschluss unserer Veranstaltungsreihe. Nach einigen eher negativen Erfahrungen und teilweise erschütternden Berichten von Jugendlichen haben wir gesehen, dass es auch Regionen gibt, in denen das Problem Rechtsextremismus nicht virulent ist. Die Stadt hat in einigen Punkten Vorbildcharakter für andere Gemeinden. Man darf aber auch hier nicht aufhören, sich zu engagieren. Denn wenn mehrere Demokratie fördernde Faktoren wegfallen, besteht die Gefahr, dass eine ganze Gemeinde in kürzester Zeit umfallen kann“, so Monika Lazar resümierend.
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist gern bereit, die demokratischen Institutionen vor Ort zu unterstützen und nimmt die Erfahrungen aus Kandel mit nach Berlin. Sie werden in künftige Programme gegen Rechtsextremismus einfließen.
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