JOSEF WINKLER, MdB

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Dienstag, 7. Februar 2012

03.03.2008: 

Migranten schildern ihren Werdegang

Die "Grüne Jugend Koblenz" diskutierte mit Jugendlichen über Integration

KOBLENZ. Als Sergej Werner mit neun Jahren von Sibirien nach Deutschland kam, da war der Klimawandel noch das geringste Problem. "Vor allem die Sprache bereitete mir am Anfang Schwierigkeiten, weil ich damals doch sehr wenig Deutsch konnte", sagt Sergej Werner bei der Podiumsdiskussion der "Grünen Jugend Koblenz" am Wochenende im Café Rheinanlagen.

Mittlerweile ist dies anders geworden, der 21-Jährige spricht perfekt Deutsch, hat hier sein Abitur gemacht und studiert an der Koblenzer Fachhochschule Betriebswirtschaft. Mit der Sprachbarriere hatte er natürlich auch ob seiner jungen Jahre ungleich weniger Probleme als andere. "Natürlich war dies für meine Eltern viel schwieriger", erzählt Sergej Werner.

Geholfen bei der Integration hat ihm nicht zuletzt der Sport. "Da war es nicht so wichtig, wie gut man Deutsch konnte", so Sergej Werner. Ausgegrenzt gefühlt hat er sich aber auch in den Zeiten, als er mit Dativ und Akkusativ auf Kriegsfuß stand, nicht. "Es gab zwar Hänseleien, aber dies sollte man unter Jugendlichen nicht überbewerten", meint Sergej Werner. Ähnlich sieht dies der 24-jährige Ilja Granatstein. "Ich bin im Alter von 10 Jahren von Sankt Petersburg hierher gekommen, konnte zu Anfang auch kaum Deutsch, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich wirklich deshalb angefeindet worden wäre", sagt Ilja Granatstein, der nach dem Besuch der Clemens-Brentano-Realschule und des HildaGymnasiums an der Fachhochschule Architektur studiert.

Christoph Maxeiner, dessen Mutter von den Philippinen stammt, hat solche Anfeindungen im vergangenen Jahr leider massiv in einer norddeutschen Kleinstadt erleben müssen. "Ich wurde damals von rund zehn Jugendlichen, die eindeutig zur rechten Szene gehörten, umzingelt, geschubst und dann geschlagen. Und diese Situation hatte sich völlig aus dem Nichts entwickelt, denn ich war mit einem Freund nur auf der anderen Straßenseite unterwegs, als diese Gruppe, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, auf uns zukam", erzählt der 24-Jährige.

Der migrationspolitische Sprecher der Grünen, Josef Winkler, dessen Mutter aus Indien stammt, hat solche Situationen glücklicherweise nie erlebt. Aber das Gefühl, nicht als Deutscher angesprochen zu werden, kennt der in Koblenz geborene dunkelhäutige Grünenpolitiker auch. "Bei der Lufthansa beispielsweise werde ich immer direkt auf Englisch angesprochen", berichtet Josef Winkler.

Einen anderen kulturellen Hintergrund zu haben, als die Mehrheitsgesellschaft ist dabei persönlich auch eine große Chance. "Allein schon zwei Sprachen zu sprechen, weil daheim eine andere gesprochen wird als in der Schule, kann ein großer Vorteil sein", meint Marén Schorch, Soziologin an der Universität Trier, bei der Podiumsdiskussion. An rheinland-pfälzischen Hauptschulen wird dieser Vorteil in Bezug auf das Russische allerdings nicht immer richtig gesehen, findet Josef Winkler. "Hier hätte man beispielsweise die Gelegenheit, einen aus Russland kommenden Schüler, der in Englisch ,Fünf" steht, stattdessen beim Abschluss in Russisch zu prüfen. Doch leider wird dies häufig unterlassen", so Winkler.    (pka)

Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 03.03.2008, Seite 13.

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