Die Tour steht im Kontext unseres Integrationspapiers, welches wir im Mai 2006 verabschiedet haben und in dem wir unsere Integrationspolitik weiter entwickeln.
In diesem Papier plädieren wir für einen gesellschaftlichen Integrationsvertrag: Die aufnehmende Gesellschaft und die Migrantinnen und Migranten müssen sich gemeinsam der großen Herausforderung der Integration stellen. Beide Seiten haben ihren Teil dazu beizutragen, dass alle Menschen, die in Deutschland leben, endlich volle Teilhabechancen bekommen.
Wir wollen, dass möglichst viele Migrantinnen und Migranten sich dafür entscheiden, Staatsbürger zu werden, weil sie ihren Lebensmittelpunkt hier sehen und sich mit diesem Land und seiner Gesellschaftsordnung identifizieren.
Dritte Etappe der grünen Integrationstour -
Besuch in Duisburg
12. September 2006
Um das Zusammenleben im Duisburger Stadtteil Marxloh ging es bei der ersten Station der Integrationstour in Duisburg am 12. September 2006. In der Begegnungsstätte an der Moschee Marxloh konnten sich Josef Winkler, migrationspolitischer Sprecher und Britta Hasselmann, Sprecherin für Demografie und Altenpolitik, ein Bild von den umfangreichen Bildungs- und Beratungsangeboten für muslimische und nichtmuslimische Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils machen. Die beiden MdBs wurden an diesem Tag begleitet von Monika Düker, innen- und migrationspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion in NRW und von Doris Janicki, grüne Bürgermeisterin in Duisburg.
Das Projekt Begegnungsstätte und Moschee in Duisburg-Marxloh ist einzigartig in Deutschland. Es wurde im Dialog erarbeitet von der Moscheegemeinde, von Verantwortlichen im Stadtteil und in der Stadt, Kirchenvertretern, interessierten Einzelpersonen, Wissenschaftlern. Die Moscheegemeinde und die von ihr eingesetzte Projektgruppe haben dieses Vorgehen, in dem die Entwicklung der baulichen, konzeptionellen und gesellschaftspolitischen Elemente des Projektes integriert wurde, von Anfang an gewollt, weil es nicht nur um ein wichtiges städtebauliches Highlight und um einen muslimisch geprägten öffentlichen Raum geht, sondern auch um die Entwicklung einer „Kultur des Miteinanders“ im Stadtteil. Zülfisiyah Kaykin, Geschäftsführerin der Begegnungsstätte, bezeichnet diese denn auch als „Symbol für interkulturellen Dialog auf Augenhöhe“.
vor dem Rohbau der Moschee in Marxloh: vlnr: Frau Janocha (Deutsches Handwerksblatt); Leyla Özmal (Entwicklungsgesellschaft Duisburg); Britta Haßelmann; Doris Janicki (grüne Bürgermeisterin von Duisburg); Frau Kaykin (Geschäftsführerin Begegnungsstätte an der Moschee); Imam Sadik Caglar; Josef Winkler; n.n.
Die Regionale Transferstelle NRW, ReTra, zweite Station des Besuchsprogramms, berät seit über 10 Jahren in Duisburg und Essen Migrantinnen und Migranten bei der Unternehmensgründung. Hilfe bietet das fünfköpfige ReTra-Team an – beim Erstellen eines Konzeptes, bei der Information über Förderung und Finanzierung, Qualifizierung und Weiterbildung. Dabei ist viel Verständnis zu wecken: Bei Ämtern für die oftmals vorhandene Spontaneität der Firmengründer, bei diesen wiederum für die ungewohnten formalistischen Anforderungen der deutschen Behörden. Erfreulich ist, dass insbesondere die Zahl der türkischen Unternehmerinnen zugenommen hat. Viele haben beispielsweise Wirtschaftswissenschaften studiert und sind jetzt im Vertrieb, im Veranstaltungsmanagement oder in der IT-Branche tätig. 40 Prozent ihrer Kunden seien mittlerweile Frauen, die viel Wert auf Bildung legen und unabhängig sein wollen, berichtet Dr. Marina Liakova. Von der Politik wünschen sich die Beraterinnen und Berater Hilfestellung bei der Intensivierung der Zusammenarbeit von Beratungsstellen und Wirtschaftsförderungsgesellschaften.
Bei ReTRa Duisburg: Cengiz Yildirim (ReTra-Berater) , Monika Düker, Britta Haßelmann, Dr. Marina Liakova (ReTra-Beraterin), Josef Winkler
Beeindruckt zeigten sich die Abgeordneten vom Besuch des Multikulturellen Seniorenzentrums „Haus am Sandberg“. Das vollstationäre Seniorenheim in der Trägerschaft des DRK arbeitet seit 1997 in Kooperation mit dem Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung an der Universität Duisburg zusammen und hat wegweisende Konzepte u.a. zur Interkulturellen Organisationsentwicklung entwickelt.
Das Haus verfügt über 96 Plätze in Einzel- und Doppelzimmern. Die Bewohnerinnen und Bewohner stammen mehrheitlich aus der Türkei und aus Tunesien. Die 90 Mitarbeitenden arbeiten in multikulturellen Teams zusammen und erhalten eine spezielle Supervision.
Besonders hervorzuheben sind, so Heimgeschäftsführer Ralf Krause, die zahlreichen multikulturellen Angebote für Bewohner und deren Angehörige. So stehen Gebetesräume für Christen und Muslime zur Verfügung, es gibt einen interkulturellen Besuchsdienst, eine gut sortierte Bibliothek lädt zum Lesen ein und wöchentlich wird ein mediterraner Markt abgehalten, wo die Bewohner sich mit Obst und Gemüse versorgen können.
Ebenfalls wegweisend ist das inhaltliche Konzept des Hauses, nicht den Pflege- bzw. Krankenhausaspekt sondern den Wohnaspekt in den Vordergrund zu stellen. Es gibt z.B. keine weiße Dienstkleidung, Begriffe wie „Station“ und „Patient“ werden vermieden.
Dieses Modell der interkulturellen Öffnung von vollstationären Altenhilfeeinrichtungen sollte in ganz Deutschland verwirklicht werden – darin waren sich die Abgeordneten einig.
Muslimischer Gebetsraum im Seniorenzentrum „Haus am Sandberg: Britta Haßelmann und Heimgeschäftsführer Ralf Krause
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