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JOSEF WINKLER, MdB

Dazu der Kommentar:

Die Opfer brüskiert

Wer, wenn nicht unsere Strahleministerin Ursula von der Leyen, hat ein Herz für Kinder? Kinder sind süß, sie sind klein, sie sind Zukunft. Die, um die es hier geht, sind gealtert, gedemütigt, gebrochen. Sie sind Vergangenheit. Sie sind Teil eines düsteren Kapitels der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte: Tausende Kinder waren in Erziehungsheimen misshandelt und gedemütigt worden. Es war deshalb eine der raren Sternstunden des Parlaments, als der Bundestag im Dezember beschloss, den Opfern müsse nach Jahren der kollektiven Verdrängung endlich Anerkennung und Entschädigung gezollt werden.

Doch so, wie Ursula von der Leyen den historischen Beschluss nun umsetzen will, könnte daraus eine beschämende Alibiveranstaltung werden. Ohne Fingerspitzengefühl hat sie für die Organisation der Aufarbeitung des Unrechts einen Träger gewählt, der einst selbst in die unsäglichen Erziehungspraktiken verstrickt war und bei den Betroffenen nicht zu Unrecht unter Befangenheitsverdacht steht. Auch der Runde Tisch, der das düstere Kapitel ergründen soll, wird nach ihren Plänen in die Nähe eines unverbindlichen Gesprächszirkels gerückt. Den Betroffenen bleibt der Katzentisch. Ihre Forderung nach finanzieller Entschädigung droht im Gestrüpp individueller Beweislast stecken zu bleiben.

Noch kann von der Leyen ihre Pläne korrigieren. Tut sie es nicht, kriegt der mühsame Aufarbeitungsprozess ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und die Familienministerin wird den Verdacht schwer loswerden, dass ihr Herz stärker für die mächtigen, großteils kirchlichen Heimträger schlägt als für die einstigen Heimkinder.

Es sei der "Wunsch aller Beteiligten gewesen", den Deutschen Verein mit der Organisation zu beauftragen, argumentiert das Familienministerium. Außerdem seien die Vorschläge ja noch nicht beschlossen.

VON VERA GASEROW

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