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JOSEF WINKLER, MdB
27.06.2012: 

Lars Reichow lässt in Bad Ems seinen „Goldfinger“ glänzen

Artikel in der RHEIN-LAHN-ZEITUNG

Lars Reichow ist in Bad Ems kein Unbekannter. In den vergangenen Jahren war er häufig mit seinem Bühnenprogramm Gast auf der hiesigen Kabarettbühne. Daran erinnerte der Präsident der Kulturoffensive, Dr. Erich Krausbeck, zum Abschluss des Klangfestes 2012, bei dem Reichow mit seinem Programm „Goldfinger“ auftrat.

Zu diesem Anlass präsentierte Krausbeck zudem den neuen Intendanten der Kulturoffensive, Josef Winkler, Bundestagsmitglied und mit Herz und Seele Bad Emser, und pries dessen kabarettistische Ausbildung. Dieser verwies in seinem Grußwort auf seine Alternativen zum Besuch im Kurtheater. Er hatte die Wahl zwischen einem Gespräch mit der Bundeskanzlerin und mit seiner Parteivorsitzenden Claudia Roth über den Fiskalpakt oder das Programm mit Lars Reichow in Bad Ems. „Ich habe mich für Bad Ems entschieden“, scherzte er unter Beifall des Publikums.

Dann betrat Reichow in Anzug mit goldfarbenem Schuhwerk und güldenem Koffer die Bühne, nahm am Flügel Platz, und es erklang das Bond-Motiv „Goldfinger“. Der Abend war eröffnet, das Thema klar. „Als ich mein neues Programm vor fast drei Jahren angekündigt habe, ist der Goldpreis in die Höhe gestiegen. Die Feinunze ist jetzt 1500 Dollar wert, das sind ungefähr 900 000 Drachmen.“ 145 000 Tonnen Gold gebe es auf der Welt, klärte der Künstler auf. „Das sind 0,02 Kilogramm pro Mensch. Gold ist so knapp wie ein Parkplatz in der Innenstadt.“ Reichow resümierte singend: „Gold ist Krieg und Frieden, / die Besitzer sind ganz verschieden.“

Später fühlte man sich an Norbert Blüms berühmten Spruch erinnert: „Die Renten sind sicher.“ Bei Reichow hieß es: „Rentner, das ist die Mehrheit von morgen, / Rentner, das ist das ewige Leben ...“ Es gipfelte in: „Renten, die werden nie vergehen.“ Dabei klammerte er die Sorgen um Altersarmut mit kabarettistischer Leichtigkeit aus.

Im zweiten Teil griff er das Thema nach dem „Vaterunser“ für den Dax noch einmal auf und sang: „Alter Mann sitzt am Fenster, kramt in leeren Taschen, / arme Leute sind ganz leise, arme Leute sind ganz still, / fallen gar nicht weiter auf, weil niemand was von ihnen will.“

Der Kabarettist schlüpfte in die Rolle eines neureichen Hausbesitzers, beschrieb einen wertvollen Schatz, den er zu Hause hüte, und erzählte davon, dass seine Wohnstraße von einer Ratingagentur herabgestuft wurde. Es ist verblüffend, mit welcher Leichtigkeit Reichow seine Pointen setzt, die das Publikum zielgenau treffen.

Lars Reichows Show im vergangenen Jahr trug zwar den Titel „Das Beste“, stellte Josef Winkler am Ende fest, aber „Goldfinger war das Beste, was Reichow bisher in Bad Ems präsentierte.“


Von Jürgen Heyden
(Rhein-Lahn-Zeitung Bad Ems vom Mittwoch, 27. Juni 2012, Seite 13)

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