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JOSEF WINKLER, MdB
13.09.2011: 

Trotz Drohungen: Bad Emser feiern „Tag der Toleranz“

Artikel in der RHEIN-LAHN-ZEITUNG

Jede Menge positive Resonanz gab es auf den ersten Bad Emser Tag der Toleranz: Im Kurcafé hatte sich am Samstagabend eine illustre Schar Männer und Frauen versammelt, die gemeinsam für mehr Akzeptanz von anders Lebenden und anders Liebenden in der Stadt werben wollten. Gut 60 Leute – teils aus dem öffentlichen Leben der Kurstadt, teils „Normalos“ von nebenan – setzten mit ihrer Anwesenheit ein klares Zeichen. Allen voran: Bundestagsabgeordneter Josef Winkler, der die Schirmherrschaft übernommen hatte und mit einem humorvollen Redebeitrag die Gäste auf die bevorstehende Show einstimmte. „Gerade in einer so beschaulichen Stadt wie Bad Ems ist es wichtig, das Akzeptanz und Toleranz gelebt wird. Der nächste Schritt wäre Normalität.“

Dabei scheinen die Bürger der Kurstadt vereinzelt noch meilenweit davon entfernt zu sein. Die Veranstalter, Bürgermeistergattin Christina Abt und ihr Mitstreiter Sebastian Müller, hatten zwischenzeitlich schon mit dem Gedanken gespielt, den Abend abzusagen. Im Vorfeld waren sie teils extrem angefeindet und bedroht worden. Erschütternde wie empörende Aussagen wie: „Wenn ihr die Homos nach Bad Ems bringt, und die vergehen sich hier an unseren Kindern, seid ihr dran“ mussten sich Abt und Müller öfter anhören. Dazu gab es böse wie hanebüschene Briefe, aus denen Christina Abt Ausschnitte rezitierte (freilich anonym). Beispiel: „Gott zieht seinen Segen zurück, wenn jemand so in Sünde lebt. Das sieht man an der Regierung mit Westerwelle.“ Was gleichsam für Kopfschütteln und herzhafte Lacher sorgte.

Aber es gab im Vorfeld auch viel positives Feedback auf die Aktion, sodass sich das Organisatoren-Duo von den Anfeindungen nicht einschüchtern ließ. „Schließlich geht es darum, Aufklärungsarbeit zu leisten“, betonte Christina Abt. Die Idee zu der Veranstaltung hatte die Bürgermeistergattin, weil sie seit Jahren den Christopher Street Day (CSD) in Köln verfolgt, an dem Schwule und Lesben auf die Straße gehen und feiern. „Leute, die anders sind, werden gemobbt“, weiß sie. „Vor allem, wenn sie zum Beispiel Berufsgruppen wie Polizei oder Feuerwehr angehören. Die Leute beim CSD zeigen Mut.“ Auch in Bad Ems sollten Menschen mutig sein dürfen. Neben einer schrillen Show mit Olga Orange und Narrenbunt konnten sich die Besucher auch ganz ernsthaft informieren, etwa bei Vertretern der Präventionskampagne „Ich weiß was ich tu“, die Aufklärungsarbeit leisten und schwule wie bisexuelle Männer darin bestärken will, sich vor HIV und anderen Infektionskrankheiten zu schützen.

Nach dem offiziellen Programm tanzten knapp 500 (zahlende) Gäste beim Techno-Clubbing im Marmorsaal bis in die frühen Morgenstunden. Auch wenn sich gerade hier die Veranstalter etwas mehr Zulauf erhofft hatten, zeigten sie sich insgesamt doch „super zufrieden“. Und die Security stand sich an diesem Abend vor „Langeweile“ die Beine in den Bauch.


(Rhein-Lahn-Zeitung Bad Ems von Dienstag, 13. September 2011, Seite 18)

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