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JOSEF WINKLER, MdB
06.09.2011: 

«Mehrheit der grünen Fraktion hört Benedikt XVI. zu» Kirchenpolitischer Sprecher Winkler zur Papstrede im Bundestag

Josef Winkler im Interview bei der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA)

Der kirchenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Josef Winkler, freut sich auf die Rede von Benedikt XVI. im Bundestag. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte Winkler am Dienstag in Berlin, er gehe davon aus, dass die große Mehrheit seiner Fraktion dem Papst zuhören werde. Mit Blick auf die von Papstgegnern geplanten Demonstrationen äußerte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Verständnis. Für ihn seien Proteste aber dann nicht akzeptabel, wenn dadurch religiöse Handlungen gestört würden.

KNA: Herr Winkler, im September kommt Papst Benedikt XVI. nach Deutschland und spricht dann auch im Bundestag. Welche Erwartungen haben Sie an diese Rede?

Winkler: Ich freue mich natürlich, dass der Papst vor dem Bundestag spricht. Besondere inhaltliche Erwartungen an die Rede habe ich nicht. Er wird sicher auf die besondere Rolle Berlins im Kalten Krieg eingehen, der Bundestag liegt ja direkt an der früheren Mauer. Darüber hinaus denke ich, dass er sich wie bei seinen vergangenen Besuchen etwa in Malta oder England auch mit Opfern von sexuellem Missbrauch treffen wird. Das würde ich jedenfalls sehr begrüßen.

KNA: Auch aus Ihrer Fraktion kam Kritik am Auftritt des Papstes im Bundestag...

Winkler: In der Tat gab es Bedenken in meiner Partei, ein religiöses Oberhaupt im Bundestag sprechen zu lassen. Zudem gab es Kritik an inhaltlichen Positionen der katholischen Kirche etwa vom Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele.
Inzwischen sind sich die Grünen in der Sache, also dem Auftritt des Papstes im Bundestag an sich, aber einig. Und wenn etwa der Abgeordnete Ströbele meint, er wolle lieber fernbleiben, kann er das ja tun. Auch aus meiner Sicht gibt es durchaus kritikwürdige Positionen des Vatikan. Aber dann, so würde ich vorschlagen, braucht man nicht unter Protest den Bundestag zu verlassen, sondern sollte erst gar nicht kommen. Ich gehe aber davon aus, dass die große Mehrheit meiner Fraktion im Bundestag anwesend ist und dem Papst zuhört.

KNA: In Berlin gibt es auch eine Gruppe von Papstgegnern, die zur Visite von Benedikt XVI. verschiedene Aktionen planen. Wie stehen Sie dazu?

Winkler: Ich fände es nicht akzeptabel, wenn durch die Protestform religiöse Handlungen gestört würden, also etwa die Papstmesse. Überhaupt alles, was in Richtung einer Attacke läuft, kann man nur verurteilen. Beim Berlinbesuch von Papst Johannes Paul II. vor 15 Jahren wurden Farbeier geworfen, ich hoffe natürlich, dass so etwas jetzt nicht passiert. Insofern ist es vielleicht gut, wenn die Protestformen wie jetzt koordiniert werden. Ein friedlicher Protestzug muss selbstverständlich toleriert werden, schließlich haben wir glücklicherweise im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ein Demonstrationsrecht.

KNA: Eine große Rolle bei den Protesten spielen Lesben- und Schwulenverbände, die auf die Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen aufmerksam machen wollen. Wie beurteilen Sie ihre Position?

Winkler: Für mich ist es legitim, wenn diese Verbände auf die nach wie vor schwierige Situation von Homosexuellen nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Ländern der Welt und besonders auf die Haltung der katholischen Kirche gegenüber dieser Gruppe hinweisen wollen. Wenn ich sehe, wie der Vatikan sich in der UNO mit Staaten wie Saudi-Arabien verbündet - etwa bei Beschlüssen gegen Homosexualität -, dann habe ich großes Verständnis dafür. Ich halte das jederzeit für einen guten Grund, um auf die Straße zu gehen, wenn das Oberhaupt des Vatikan auf Staatsbesuch vorbeischaut.

KNA: Werden Sie den Papst außer im Bundestag noch anderswo erleben?

Winkler: Ich werde an den Papst-Messen im Olympiastadion und in Freiburg sowie am Vortrag des Papstes im Freiburger Konzerthaus teilnehmen.

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