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JOSEF WINKLER, MdB
24.07.2009: 

Deutschland wird zum Auswandererland

Berliner Zeitung

Erstmals seit der Wende mehr Weg- als Zuzügler

Immer mehr Deutsche verlassen ihre Heimat. Im Jahr 2008 stieg die Zahl der Auswanderer auf 738 000. Im gleichen Zeitraum kamen mit 682 000 Zuwanderern etwa gleich viele wie im Vorjahr hinzu. Im Saldo zogen rund 56 000 Menschen mehr ins Ausland als nach Deutschland. Das ergaben die gestern vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Damit nahm die Zahl der in Deutschland gemeldeten Menschen erstmals seit der Wende ab.

Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sieht die Ursachen für den negativen Saldo in der mangelnden Attraktivität Deutschlands. Der Bevölkerungsverlust werde sich negativ auswirken, wenn von 2015 an die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gingen. Der Vize-Chef der Unions-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), räumte ein, dass die Politik seit Jahren das Thema Abwanderung vernachlässige. "Viele glauben, dass sie im Ausland bessere wirtschaftliche Chancen haben als in Deutschland", sagte Bosbach der Berliner Zeitung. Um qualifizierte Fachkräfte zu halten, brauche man bessere Rahmenbedingungen.

Der Grünen-Migrationspolitiker, Josef Winkler, vermutet zudem, dass die vielen Fernsehshows über Auswanderer nicht folgenlos blieben. Laut Winkler zeigen die Zahlen, dass Deutschland den internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe verliere. Mit 574 000 Ausländern, die kamen, und 563 000, die auswanderten, zeige sich auch, dass Deutschland nicht in der Lage sei Ausländer langfristig zu halten. Ursache seien vor allem die hohen Hürden bei der Einbürgerung. "Das wirkt nicht besonders einladend auf Menschen, die lange hier leben", sagte Winkler. Vor allem Migranten bekämen die Politik der sozialen Kälte zu spüren, sagte Sevim Dagdelen von der Linken.

von Lisa Hemmerich

(erschienen in der Online-Ausgabe der Berliner Zeitung am 24.07.2009)

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