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JOSEF WINKLER, MdB
05.06.2009: 

Land kämpft für Entscheidung pro Mittelrheinbrücke zwischen Bingen und Koblenz

Rheinzeitung

Enttäuscht bis zornig reagieren Wirtschaft und Landkreise am Mittelrhein auf eine drohende Verlängerung der Hängepartie um den geplanten Brückenbau zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Kritiker der Brücke sehen sich bestätigt.

"Stinksauer auf Icomos" ist der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Koblenz: Die internationale Denkmalschutzorganisation, die die Unesco berät, versuche, "das Ding mit Lug und Trug auf die lange Bank zu schieben", sagt Hans-Jürgen Podzun. "Das ist unredlich." Wie Podzun vermutet auch Kultur-Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) hinter dem Beschlussvorschlag für die Welterbe-Komiteesitzung ab 22. Juni in Sevilla eine Retourkutsche von Icomos. Die Denkmalschützer konnten bei der Sitzung vor einem Jahr keine Ablehnung jeglicher Querung erreichen.

Dafür verlangte das Komitee eine Umweltverträglichkeitsprüfung plus Verkehrsanalyse als Entscheidungsgrundlage für 2009. Von beidem gingen laut Verkehrsministerium am 3. und 16. März Zusammenfassungen in englischer Übersetzung ans Welterbebüro nach Paris. Gleichzeitig wurde angeboten, die deutsche Langfassung "unverzüglich zur Verfügung zu stellen". Aber die Unesco habe darum "zu keinem Zeitpunkt" gebeten, so Hofmann-Göttig. "Dies jetzt zum Kritikpunkt zu machen, ist nicht in Ordnung." Unterstützt vom früheren Direktor des Welterbebüros, Bernd von Droste-Hülshoff, will Hofmann-Göttig erreichen, dass die Unesco ihren Verwurf zurücknimmt und das Komitee doch eine Entscheidung trifft - natürlich pro Bücke.

Der Präsident von Icomos Deutschland, Michael Petzet, begrüßt den Vertagungsvorschlag: "Das Gutachten, soweit es vorliegt, ist ein reines Verkehrsgutachten. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist etwas anderes. Dafür gibt es Standards." Bestätigt fühlen sich auch die Grünen, die den Ausbau des Fährverkehrs zwischen St. Goarshausen und St. Goar zum 24-Stunden-Betrieb fordern. "Die Brücke ist und bleibt ein Luftschloss", sagt der Bundestagsabgeordnete Josef Winkler.

Der CDU-Landtagsabgeordnete des Rhein-Hunsrück-Kreises, Hans-Josef Bracht, wirft Hofmann-Göttig vor, sich in den vergangenen Wochen nicht genug für das Projekt eingesetzt zu haben. Bertram Fleck (CDU), Landrat im Rhein-Hunsrück-Kreis und Vorsitzender des Welterbe-Zweckverbandes, ist aber zuversichtlich, dass das Thema doch in Sevilla behandelt wird: "Ich kann mir gut vorstellen, dass bis zum 22. Juni hier eine Lösung gefunden wird, um der Unesco die nötigen Unterlagen vorlegen zu können." (ren/tor)

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