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JOSEF WINKLER, MdB

An Kohle scheiden sich die Geister

 

MAINZ. Den ersten Lacher hatte der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Josef Winkler (Grüne) für sich. Der zwar parteiische, aber auch faire Moderator versprach Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne: "Wir werden Sie nicht so in die Pfanne hauen, dass sie hier gebeugt rausgehen."

Für die erste Verblüffung sorgte dann Detlev Höhne. Mit einem trockenen "Nein" beantwortet er die Frage des Abends: "Braucht Mainz ein Kohlekraftwerk?" Um dann nachzuschieben: "Mainz braucht ein Kohleheizkraftwerk." Womit er auf die zusätzliche Nutzung des geplanten Kraftwerks auch für die Fernwärme anspielte.

Souverän und witzig leitete Josef Winkler (stehend) die Diskussion zwischen Bärbel Höhn und Detlev Höhne (rechts). Die mahnenden Worte von Seiten der katholischen Kirche steuerte der Umweltbeauftragte des Bistums, Franz Jakob Hock, bei.
 

Höhne sieht die Kraftwerke Mainz Wiesbaden (KMW) unter Zugzwang. Um die Versorgung von Mainz, Wiesbaden und dem Kreis Groß-Gerau zu gewährleisten, sei ein "Energiemix" unverzichtbar. Dessen Zutaten speisen sich aus vielen kleinen Anlagen, die Windkraft, Photovoltaik, Biomasse oder Biogas nutzen, aber eben auch aus dem Beitrag des Kohleheizkraftwerks.

Und wieso nicht weiter auf ein viel weniger COx ausstoßendes Gaskraftwerk setzen? "Die Gas-Lieferverträge für das GuD-Kraftwerk laufen 2014 aus. Trotz mehrfacher Ausschreibung hat kein Gaslieferant ein Angebot unterbreitet", sagte Höhne. Ein solches Angebot müsste sowohl von der Laufzeit, wie auch von den Preisen her realistische Konditionen aufweisen. Aber: Im Unterschied zu Eon werde die Nachfrage der KMW nicht erhört. Es sei daher besser, ein modernes Kohleheizkraftwerk zu bauen und - bundesweit gesehen - alte, weniger effektive Kraftwerke abzuschalten.

Trotz steigender Bedeutung erneuerbarer Energien - ohne die Kohlekraft sei der nötige Strom in der "Energiesenke" Rhein-Main nicht zu produzieren. Dabei bleibt der Strombedarf laut Höhne fast ganzjährig auf einem gleich hohen Level bestehen. Selbst im Sommer sei kaum eine Entlastung spürbar.

Für Bärbel Höhn waren das alles keine Argumente dafür, den "Klimakiller Nummer 1" dermaßen geballt in die Atmosphäre zu jagen. Auf der Basis anderer Grundannahmen fordert sie ein Moratorium. Höhn prognostiziert einen sinkenden Strombedarf. "Viele private und industrielle Verbraucher werden eigene Lösungen finden und sich von der zentralen Stromversorgung abkoppeln. Die Zukunft gehört den dezentralen Anlagen", sagt sie. Bei dieser Entwicklung, empfahl sie Höhne, müssten die Stromanbieter sich als Dienstleister an die Spitze der Bewegung setzen und den Kunden bei dieser Abkopplung helfen. Zudem ist die stellvertretende Vorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion überzeugt: "Es tut sich was auf dem Gasmarkt. Die Situation kann sich binnen Monaten verändern."

Ohne sich in die inhaltliche Diskussion einzumischen, erinnerte Franz Jakob Hock, Umweltbeauftragter des Mainzer Bistums, an die von Kardinal Karl Lehmann formulierte "Pflicht zum Handeln". Der Klimawandel stelle eine umfassende Gefährdung der Lebensgrundlage für die heutige Generation und die kommenden Generationen dar.   Dietmar Buschwa


Mainzer Rhein-Zeitung vom 27.09.2007, Seite 26.

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