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JOSEF WINKLER, MdB
27.09.2007: 

"Heiße Zeiten" - Die grüne Kirchentour

Bericht der Kirchentour durch Rheinland-Pfalz

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat auch in diesem Jahr ihre Reise durch die Kirchenlandschaft in Deutschland fortsetzen. Ziel dieser Kirchentour ist es, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit auszuloten. Ziel ist es auch, konfessionelle Projekte zu unterstützen, die innovative Wege bei der Bewältigung wichtiger klimapolitischer Zukunftsfragen eingeschlagen haben.


In der heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft sind Kirchen und ihre Fähigkeit zur Werteorientierung gefragt. Wir Grünen möchten mit der Kirchentour deutlich machen, dass unsere Politik offen und bereit ist, gemeinsam mit den Kirchen nachhaltig klimapolitische Aufgaben zu lösen. Bereits in den 80er Jahren waren Kirchen in Ost und West Orte, wo sich UmweltaktivistInnen und engagierte Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft für die Bewahrung der Schöpfung engagierten. Hier wollen wir anknüpfen, denn hier liegen die Wurzeln eines gemeinsamen Engagements.

Die Grüne Kirchentour zu Gast in Rheinland-Pfalz - Von Interreligiösem Dialog bis Kohlekraftwerk

Auf der ersten Station der Kirchentour in Rheinland-Pfalz am 25.September war Josef Winkler gemeinsam mit Nils Wiechmann, Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen Grünen, zu Gast im Bischöflichen Cusanns-Gymnasium in Koblenz. In der vollbesetzten Aula standen die beiden Politiker den Schülerinnen und Schülern zwei Stunden Rede und Antwort.
Neben den "klassischen grünen Themen", wie der Umwelt- und Klimapolitik, wurde von Seiten der Jugendlichen interessiert nach dem Verhältnis der Grünen zur Linkspartei nachgefragt. Auch das Thema Afghanistan erzeugte großes Interesse bei den Schülerinnen und Schülern. Die beiden grünen Politiker standen gerne Rede und Antwort und konnten so den Schülerinnen und Schülern die manchmal sicherlich komplizierte Bundespolitik ein wenig durchsichtiger machen.

Noch mehr Erneuerbare Energie auf den Kirchendächern!

Nach dem Besuch in Koblenz machte die Kirchentour in der Heimatstadt von Josef Winkler halt. Im Pfarrhaus von Bad Ems begrüßte Pfarrer Achim Weber gemeinsam mit Bernd-Christoph Matern von der Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Kirche im Rhein-Lahn-Kreis den Gast.  Nach der gemeinsamen Besichtigung einer Solarthermie-Anlage, mit der die Kirchengemeinde erneuerbare Energie erzeugt, führten wir mit den Vertretern der Kirche ein Gespräch zu den Herausforderungen des Klimaschutzes und wie Kirche hier ganz konkret diesen Prozess positiv begleiten und anstoßen könne. Hierbei wurden viele Projekte der evangelischen Kirche Hessen-Nassau vorgestellt und diskutiert.  Am Ende des Gespräches waren sich alle einig: Viel ist schon gemacht geworden und vielmehr muss noch erreicht werden!

Haifa/Tamra meets Bad Ems

Am Nachmittag berichteten uns Bad Emser Konfirmandinnen und Konfirmanden von ihren interreligiösen und interkulturellen Erfahrungen, welche sie während eines Schüleraustausches in Bad Ems mit 8 jüdischen Jugendlichen aus Haifa und 8 arabischen Jugendlichen aus Tamra durchgeführt haben. Die einladenden jungen Menschen aus Bad Ems hatten den gesamten Austausch selbst organisiert und somit dafür gesorgt, dass die in ihrem Heimatland verfeindeten Gruppen auf  „neutralem“ Boden des Rhein-Lahn-Kreises 14 unbeschwerte Tage zum Kennenlernen verbringen durften. „Haifa and Tamra meets Bad Ems“ – ein durch und durch gelungenes Projekt, bei dessen Weiterführung der begeisterte Josef Winkler gerne seine Unterstützung zusagte, indem er die Jugendlichen für die geplante Fortsetzung des Austauschs im nächsten Jahr nach Berlin einlud.

Mainz braucht kein Kohlekraftwerk: Entscheiden Sie sich dagegen!

Der Georgs-Saal der Johannisgemeinde Mainz war mit 90 anwesenden Gästen völlig überlaufen, als Josef Winkler um 19:30 Uhr die Diskussionsveranstaltung: „ Braucht Mainz ein Kohlekraftwerk?“ eröffnete. Aufgrund der Podiumszusammensetzung versprach die Veranstaltung spannend zu werden. Neben dem Umweltbeauftragten des Bistums Mainz, Dr. Franz Jakob Hock, diskutierten engagiert Für und Wider eines Kraftwerks die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und ehemalige nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn sowie der Vorsitzende der Stadtwerke Mainz AG, Detlef Höhne. Die Stadtwerke AG ist als 50%-Beteiligter an der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG maßgeblich am Bau des Kohlekraftwerks beteiligt. In der Region gilt das geplante Projekt als Herzensanliegen von Herrn Höhne. Somit war ausreichend für Zündstoff gesorgt. Detlef Höhne durfte den Reigen eröffnen und überraschte zunächst mit der Aussage, dass Mainz tatsächlich kein Kohlekraftwerk brauche – was er aber leider gleich relativierte und feststellte, dass es sich beim geplanten und angeblich benötigten Bau um ein Kraftwärmekraftwerk handele.

Diskutiert wurde entlang der drei großen Themen ökologische Auswirkungen, gesundheitliche Beeinträchtigungen und ökonomische Vertretbarkeit des Steinkohlekraftwerks. Nach einigen grundsätzlichen Aussagen zum Klimaschutz aus kirchlicher Sicht des Umweltbeauftragten Dr. Hock, stellte Bärbel Höhn ihre ablehnende Position in allen drei Bereichen, unterlegt mit umfangreichem Zahlenmaterial, vor: Neben der unstrittigen ökologischen und gesundheitlichen Folgen sei es vor allem auch wirtschaftlich "eine Katastrophe, das Kraftwerk zu bauen", so Höhn. Eben jenen Aspekt bestritt Detlef Höhne auf das Heftigste und legte hier in einigen Bereichen andere Zahlen vor.

Die anschließende Diskussion mit den vor Streitlust platzenden Gästen musste dann nach gut zweieinhalb Stunden abgebrochen werden – da wir, ob der Bedrohung die dieses Kraftwerk für Mainz darstellt, wohl noch bis in den frühen Morgen hätten diskutieren können. Die Mehrzahl der Gäste konnte sich am Ende der Veranstaltung dem Rat von Bärbel Höhn anschließen, die der Stadtwerke AG Mainz nahelegte: "Entscheiden Sie sich nicht dafür – denn Sie werden es auch wirtschaftlich bereuen!"

Josef Winkler, der erst nach einigen Anläufen den Abend beschließen konnte, stellte am Ende fest: "Das Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen, der Bau des Kohlekraftwerks ist noch längst nicht beschlossene Sache – und das ist auch gut so!"

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