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JOSEF WINKLER, MdB
05.02.2009: 

Der Papst, der Bischof und die Kanzlerin

Aktuelle Stellungnahme

Die klare Aufforderung des Papstes an den Bischof Williamson seine Äußerungen zum Holocaust inhaltlich und öffentlich zu widerrufen, ist zu begrüßen, kommt allerdings bedauerlich spät. Die Kritik an diesem Vorgang sollte aber nicht zu Exzessen wie dem Vorwurf an den Papst führen, er decke Antisemiten, womöglich fördere er sie sogar willentlich und wissentlich.

Der Hinweis, daß der Papst die Äußerungen des Holocaust-Leugners nicht kannte, als er die Aufhebung der Exkommunikation anwies, ist einerseits zu begrüßen, wirft allerdings ein erschreckendes Licht auf die Abläufe innerhalb des Vatikans. Wer einem seit Jahrzehnten als Holocaustleugner bekannten und auch sonst in vielerlei Hinsicht suspekten und fanatischen Bischof die Hand zur Versöhnung reicht ohne vorher informiert gewesen sein zu wollen, muß sich den Hinweis gefallen lassen, daß das nur mit schwersten Versäumnissen innerhalb der Kurie zu erklären sein kann.

Daß von der Priesterbruderschaft Pius des Zehnten die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils verlangt wird ist erfreulich. Angesichts der klaren Äußerungen eines weiteren der rehabilitierten Bischöfe, man „wolle Rom bekehren“, nicht aber seine Positionen ändern (Bernard Tissier de Mallerais) scheint dieses Ziel aber unerreichbar. Zudem stellt sich die Frage, ob eine so vage Hoffnung auf Wiederannäherung zwischen den sogenannten Traditionalisten und der katholischen Kirche ein Zurückwerfen des katholisch-jüdischen Dialogs um Jahrzehnte wert war.

Die Kritik, die die Bundeskanzlerin in diesem Zusammenhang an die Adresse des Papstes gerichtet hat, ist inhaltlich sicherlich für die meisten Katholiken nachvollziehbar. Es verwundert in diesem Zusammenhang allerdings schon, daß die Bundeskanzlerin sich außerordentlich spät und im übrigen unter Umgehung aller diplomatischen Kanäle, die der Bundesregierung zur Verfügung stehen an den Vatikan gewandt hat. Man fragt sich, wofür es eigentlich die deutsche Botschaft beim Vatikan gibt bzw. die apostolische Nuntiatur in Berlin. Eigentlich doch für genau solche Anlässe, würde man meinen. Insofern hat die Bundeskanzlerin es dem Papst gegen alle Regeln der Diplomatie zusätzlich erschwert, rasch und angemessen zu reagieren.

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