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JOSEF WINKLER, MdB
04.02.2009: 

Diesem Bischof gehört der Prozess gemacht

In der letzten Woche wurde der neue Bevollmächtigte der evangelischen Kirche in Deutschland bei den Verfassungsorganen der Bundesrepublik, Prälat Dr. Bernhard Felmberg, feierlich in sein Amt eingeführt. Alle kirchenpolitischen Sprecher der Fraktionen waren eingeladen, an der Liturgie des Einführungsgottesdienstes mitzuwirken. Für mich als Katholiken eine besondere Geste der Ökumene durch die evangelische Kirche.

Beherrschendes Thema der letzten Woche und auch der Gespräche nach der Amtseinführung des neuen Bevollmächtigten war aber natürlich für alle am interreligiösen Dialog interessierten Politiker die Aufhebung der Exkommunikation der ultrakonservativen, spalterischen und latent antisemitischen Priesterbruderschaft Pius X. durch Papst Benedikt XVI. Dies ist schon ein verheerendes Signal an alle Juden, denn ein zentrales Anliegen der Priesterbruderschaft ist die ständige Anklage des Gottesmordes in Richtung der heute lebenden Juden. Dass nun aber einer der vier neu in die Gemeinschaft der katholischen Bischöfe aufgenommenen Bischöfe - noch dazu in Deutschland - offen den Holocaust leugnet, schlägt dem Fass den Boden aus. Diesem Herrn Bischof gehört der Prozess gemacht - seine überstürzte Rückreise nach Argentinien, scheinbar eine historische Reminiszenz an die Fluchtwege der Nationalsozialisten nach dem Zweiten Weltkrieg, wird diesen naturgemäß erschweren.

Diese Wirrungen haben auch direkte Auswirkungen auf die Politik. So muss die an sich überflüssige Absage des Zentralrats der Juden zum Staatsakt für die Opfer des Nationalsozialismus in der letzten Woche in diesem Kontext gesehen werden. Die Vielzahl von Hass-Mails und Morddrohungen gegen Zentralratsmitglieder im Kontext des Gaza-Krieges und die Debatte um den Holocaust-Leugner Bischof Williamson lassen die Nerven allerseits blankliegen. Da trifft es dann auch einmal den falschen Adressaten. Dem Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Lammert (CDU) ist hier mit Sicherheit kein Vorwurf zu machen gewesen. Der Zentralrat kann auch einmal irren.

Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz und Region vom 04.02.2009, Seite 15.

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