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JOSEF WINKLER, MdB
23.10.2012: 

Josef Winkler: Gleichstellung per Gesetz vorantreiben

Josef Winklers „Berliner Notizen“ in der RHEIN-ZEITUNG

Braucht Deutschland eine gesetzliche Frauenquote bei der Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft?

In den deutschen Unternehmen wurde das Thema Gleichstellung von Frauen und Männern lange vernachlässigt. Das ist überaus bedauerlich: Denn Gleichstellung ist nicht nur eine Frage von Gerechtigkeit. Sie ist auch eine Frage wirtschaftlicher Vernunft. Offene und durchlässige Unternehmenskulturen sind nachweislich innovativer und besser auf unternehmerische Herausforderungen vorbereitet. Viele Studien weisen darauf hin, dass Unternehmen, die mit gemischten Teams arbeiten, erfolgreicher sind.
Eine echte Gleichstellung in Unternehmen wollen wir durch eine gesetzliche Regelung zunächst für Großunternehmen vorantreiben. Denn es geht es ja offensichtlich ohne solche Regelungen nicht, das zeigen die völlig wirkungslosen freiwilligen Vereinbarungen der vergangenen Jahre.

Das hat mich geärgert:

Die unverantwortliche Panikmache, mit der Innenminister Hans-Peter Friedrich auf eine aktuell erhöhte Zahl von Asylbewerbern aus Serbien und Mazedonien reagiert hat. Denn zum einen liegen die angeblichen Rekordzahlen zwar über dem Vorjahreswert, aber sie sind kaum höher als zum Beispiel im September 2010. Zum anderen sollte der Innenminister lieber seine Hausaufgaben machen: Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge könnte seine zigtausend Mitarbeiter weitaus effizienter einsetzen und die Bearbeitungszeit von Asylanträgen dauerhaft klar reduzieren. Die hohe Zahl der Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien deutet vor allem auf die Diskriminierung der dortigen Minderheiten hin. Aber in der Debatte um das Asyl ist es leider seit jeher üblich, politische Handlungsschwäche mit umso lauteren Stammtischparolen auszugleichen.

Die Deutsche Bischofskonferenz will im Gespräch mit Laien Neuerungen diskutieren. Was sollte am Ende dieses angedachten Reformprozesses stehen?

Zum Gespräch der Bischofskonferenz mit den Laien bin ich selbst als Teilnehmer aus der Führung des Zentralkomitees der Katholiken entsandt. Die Themen sind sehr vielfältig. Es geht unter anderem darum, die Möglichkeiten für eine Stärkung der Rolle der Frauen in meiner Kirche und des stärkeren Zu- und Eingehens der Priester und Bischöfe auf die praktischen Lebensverhältnisse unserer Kirchenmitglieder im Deutschland des 21. Jahrhunderts auszuloten und rasch anzugehen. Mein Wunsch: Eine Pastoral der Barmherzigkeit könnte bisherige ausgrenzende Handlungsweisen ablösen.


(Rhein-Zeitung Koblenz und Region vom Dienstag, 23. Oktober 2012, Seite 20)

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