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JOSEF WINKLER, MdB
18.06.2011: 

Winkler: Weiterbetrieb einer nicht beherrschbaren Technologie zu riskant

„Berliner Notizen“ in der RHEIN-ZEITUNG

Der jüngste Anschlag in Afghanistan sorgte für Aufsehen, doch das wurde schnell von der Atomdebatte verdrängt. Ist es schon ein Stück Normalität, dass in Afghanistan Deutsche sterben?

Mit Erschütterung und Trauer haben meine Fraktion und ich die Nachrichten über die Anschläge aufgenommen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der ermordeten Soldaten und bei den Verwundeten.

Dass dieses Thema in der Öffentlichkeit nur wenig Widerhall findet, ist in der Tat bedauernswert. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die bei diesem Einsatz täglich ihr Leben riskieren, verdienen unseren Respekt. Ebenso wie die vor Ort tätigen zivilen Aufbauhelferinnen und -helfer, die ebenfalls unter zunehmend gefährlichen Bedingungen arbeiten.


Atom-Ausstieg: Ist das „Hauruck-Verfahren“ der Bundesregierung mit Blick auf Versorgungssicherheit und Strompreise zu riskant?

Ich denke eher, dass der Weiterbetrieb einer nicht beherrschbaren Technologie zu riskant wäre. Das sogenannte vernachlässigbare Restrisiko von Atomkraftwerken ist in Fukushima gleich in mehreren Reaktoren äußerst real geworden. Die Debatte um die Versorgungssicherheit hat Züge von Panikmache. Selbstverständlich muss nun verstärkt in den Netzausbau und in eine alternative, möglichst regenerative Energiegewinnung investiert werden. Als neulich unter bedrohlichem Unken der Atomlobby vorübergehend nur vier der eigentlich 17 Atomkraftwerke am Netz waren, passierte gar nichts. Kein Stromausfall, kein Untergang des Industriestandortes Deutschland, kein Chaos. Nur die milliardenschweren Atomkonzerne mit ihren Millionärs-Bossen verdienten vermutlich vorübergehend etwas weniger.

Ähnliches gilt für die Entwicklung der Strompreise. Die Prognosen klaffen hier weit auseinander: von einer nur geringen Mehrbelastung bis hin zu utopischen Horrorszenarien. Wobei dann gerne auch mal vergessen wird, welche unglaubliche Chance die neue Vorreiterrolle bei der Nutzung regenerativer Energien für den Standort Deutschlands in der Welt und für die Entstehung neuer Arbeitsplätze birgt.


Das hat mich besonders gefreut:

Fraktionsübergreifend haben wir einen Antrag eingebracht, in dem der Bundestag das misshandelten früheren Heimkindern widerfahrene Leid und Unrecht anerkennt und zutiefst bedauert. Mit dem Antrag ist ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung gemacht. Die Bundesregierung wird aufgefordert, zügig einen Fonds ins Leben zu rufen, aus dem Entschädigungen, fehlende Rentenansprüche und weitere Hilfen geleistet werden sollen. Als einer der Väter des runden Tisches, sehe ich das auch als ganz persönlichen Erfolg.


(Rhein-Lahn-Zeitung Bad Ems vom Samstag, 18. Juni 2011, Seite 23 sowie Rhein-Zeitung Koblenz und Region vom Dienstag, 21. Juni 2011, Seite 19)

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