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JOSEF WINKLER, MdB
19.03.2011: 

Josef Winkler: Atomkraft ist und bleibt gefährlich

„Berliner Notizen“ in der RHEIN-ZEITUNG

Was macht ein Bundestagsabgeordneter eigentlich in Berlin? Wie lebt und arbeitet er – und welche Positionen bezieht er zu aktuellen Themen? Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis schreiben es für Sie auf. Heute tut dies Josef Winkler (Bündnis 90/Die Grünen).

Das hat mich erschüttert

Mit Entsetzen verfolge ich über die Medien die Ereignisse nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan. Viele Tausend Menschen sollen durch diese furchtbare Naturkatastrophe ums Leben gekommen sein, sehr viele weitere wurden verletzt, ganze Regionen sind komplett zerstört. Wie innerhalb von wenigen Minuten so viel Leid über die dort lebenden Menschen hereinbrechen kann, hinterlässt einen fassungslos und traurig. Und der Schrecken nimmt kein Ende: Auf eine unvermeidbare Naturkatastrophe folgt nun eine menschengemachte nukleare Katastrophe. Seit Tagen überschlagen sich die Ereignisse gleich in mehreren japanischen Atomkraftwerken, vor allem aber im AKW Fukushima I. Der Umfang und die Auswirkungen der bei Explosionen und mutmaßlichen Kernschmelzen freigesetzten atomar strahlenden Stoffe ist kaum vorhersehbar. Es ist zu befürchten, dass Japan auf ein nukleares Unglück unvorstellbaren Ausmaßes zusteuert. Die Angst vor der Unbeherrschbarkeit der Atomkraft, die von der aktuellen deutschen Regierung bisher gerne als Öko-Spinnerei abgetan wurde, wird in Japan in diesen Tagen schreckliche Wirklichkeit.

Das hat mich geärgert

Geärgert habe ich mich über die ersten Reaktionen von Bundeskanzlerin Merkel und Bundesumweltminister Röttgen auf den Atom-Notstand in Japan: Die Sorgen der Menschen um die Sicherheit von Atomkraftwerken, die Stunden zuvor in Fukushima traurige Realität geworden waren, taten beide zunächst ab. Atomkraftgegnern wurde gar Pietätlosigkeit gegenüber den Ereignissen in Japan vorgeworfen, als sie vor dem aktuellen Hintergrund einmal mehr ein Umdenken in der Atom-Politik forderten. Die sich aufdrängende Debatte sollte weggewischt werden. Das ist glücklicherweise nicht gelungen. Nun scheint sich Schwarz-Gelb in der Atom-Frage aus taktischen Gründen sogar zu bewegen. CDU/CSU und FDP machten eine Kehrtwende und setzen die Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke für drei Monate aus. Es solle in dieser Zeit eine erneute Überprüfung erfolgen. Ich fürchte jedoch, dass das im Angesicht zahlreicher Landtagswahlen nur ein vorübergehender Winkelzug bleibt.
Atomkraft ist und bleibt gefährlich. Der Glaube, sie beherrschen zu können, ist eine Illusion.

(Rhein-Zeitung Koblenz und Region sowie Rhein-Lahn-Zeitung Bad Ems vom Samstag, 19. März 2011, Seite 25)

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