A- | A | A+
JOSEF WINKLER, MdB
14.01.2009: 

Ich schäme mich für meine Regierung und für die beiden Kirchen

Hilfe für ehemalige Heimkinder fehlt bis heute

Der Bundestag hat Ende letzten Jahres einstimmig folgendes beschlossen: "Der Deutsche Bundestag sieht und erkennt erlittenes Unrecht und Leid, das Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kinder- und Erziehungsheimen in der alten Bundesrepublik in der Zeit zwischen 1945 und 1970 widerfahren ist, und bedauert das zutiefst."

Zuvor hatte der Petitionsausschuss des Bundestages das erste Mal in seiner Geschichte öffentlich eine Petition beraten und abgestimmt - im Beisein des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Lammert. Als zuständiger Berichterstatter für meine Fraktion hatte ich einigen Anteil an diesem historischen Beschluss. Die Widerstände insbesondere der früheren Heimträger aus dem öffentlichen und kirchlichen Bereich waren enorm. Trotzdem wurde die Bundesregierung aufgefordert, einen runden Tisch einzurichten, der alle kritischen Fragen von der Historischen Aufarbeitung bis zu den eventuellen. Entschädigungsforderungen klären sollte.

Es geht dabei vor allen Dingen um die moralische Anerkennung der Schuld, an das Eingestehen unserer Gesellschaft, dass sie schwerste Menschenrechtsverletzungen, sexuellen Missbrauch, körperliche und seelische Gewalt in Tausenden Fällen nicht nur geahnt und geduldet, sondern danach auch noch Jahrzehnte verleugnet hat und die Betroffenen bis heute ohne Hilfe gelassen hat. An nächster Stelle muss dann die Überlegung folgen, was man heute noch tun kann, um den verbliebenen Heimkindern von damals zu helfen.

Von Milliardensummen ist da ausnahmsweise einmal nicht die Rede - allenfalls ein paar Millionen würden wohl im Laufe der Jahre fällig werden. Dass nun Ministerin von der Leyen - wohl durch die beiden großen Kirchen gedrängt - jegliche Entschädigung von vornherein ausschließen will, ist schäbig. Ich schäme mich für meine Regierung und für unsere beiden großen christlichen Kirchen, besonders natürlich für meine eigene, die katholische. Bitte schreiben Sie an die Kirchen und Frau von der Leyen und helfen Sie mit, dieses Unrecht zu beenden. Danke.

Rhein-Lahn-Zeitung - Ausgabe Bad Ems, Lahnstein vom 14.01.2009, Seite 12.

« zurück